{"id":9753,"date":"2014-07-16T17:03:35","date_gmt":"2014-07-16T15:03:35","guid":{"rendered":"http:\/\/mono-2de-484"},"modified":"2014-07-16T17:03:35","modified_gmt":"2014-07-16T15:03:35","slug":"review-von-wellness-as-usual-die-wellness-situation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/monochrom.at\/blog\/2014\/07\/16\/review-von-wellness-as-usual-die-wellness-situation\/","title":{"rendered":"Review von &#8220;Wellness As Usual&#8221;: Die Wellness-Situation"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\n\tAus Krisen und Niederlagen k\u00f6nnen Chancen werden. Das wissen nicht<br \/>\n\tzuletzt die Chinesen, die \u00fcbrigens trotzdem nicht dasselbe Wort f\u00fcr<br \/>\n\tKrise und Chance benutzen. Und das wei\u00df auch die Kunst- und<br \/>\n\tPerformance-Gruppe monochrom. Einer ihrer Mitglieder f\u00fchrt im deutschen<br \/>\n\tBamberg einen Plattenladen. Eine dabei h\u00e4ufig angewandte Taktik: Man<br \/>\n\tkauft auf eBay Plattenpakete f\u00fcr wenig Geld an, und zwar in der<br \/>\n\tHoffnung, dass sich darin einzelne Sch\u00e4tze befinden, die man mit Gewinn<br \/>\n\tweiterverkaufen kann. Eines dieser Pakete stellte sich f\u00fcr besagten<br \/>\n\tMonochromler allerdings als Horrorgesch\u00e4ft heraus. Es war randvoll mit<br \/>\n\tWellness-CDs. Absolut unverk\u00e4uflich.<\/p>\n<p>\n\tDoch monochrom w\u00e4re nicht monochrom, wenn sie nicht aus der Not eine Tugend machen w\u00fcrden.<br \/>\n\tDas Verlustgesch\u00e4ft wurde zum Ausgangspunkt f\u00fcr die Performance<br \/>\n\t\u201eWellness as usual\u201c, in die man noch bis Sonntag im Raum D im MQ Wien<br \/>\n\teintauchen kann. Als Zuschauer legt man sich dabei in einen dunklen<br \/>\n\tRaum. \u201eDunkel\u201c meint hier nicht abgedimmt, sondern finster, schwarz \u2013<br \/>\n\teine absolute Dunkelheit, die man in den eigenen vier W\u00e4nden nicht<br \/>\n\thinkriegen w\u00fcrde. Langsam beginnt man Meeresrauschen zu h\u00f6ren. Leichte<br \/>\n\tPianokl\u00e4nge. Walges\u00e4nge. Panfl\u00f6ten. So ziemlich jedes Element von<br \/>\n\tWellness-Musik, das man eigentlich nur lieben oder hassen kann, je nach<br \/>\n\tpers\u00f6nlichem Empfinden. Langsam wird die Musik \u00fcbereinander geschoben,<br \/>\n\t\u00fcberlagert, bis sich irgendwann mehrere dutzend Formen der<br \/>\n\t\u201eentspannenden\u201c Musik zu einem ohrenbet\u00e4ubenden Rauschen steigern.\n\t<\/p>\n<p>\n\tMan liegt also dort, im Dunkeln, h\u00f6rt keine einzelnen Elemente mehr.<br \/>\n\tWei\u00df nicht mehr, ob man seine Augen geschlossen oder ge\u00f6ffnet hat. Wird<br \/>\n\tseltsam k\u00f6rperlos, zeitlos und nur auf sich selbst zur\u00fcckgeworfen. Und<br \/>\n\tso funktioniert die Aktion auch als Kommentar auf das<br \/>\n\tIndividualit\u00e4tsstreben des Menschen: Beim \u201eWellness\u201c-Begriff schwingt ja<br \/>\n\tauch immer auch das Sich-selbst-etwas-g\u00f6nnen mit. Die ganze Woche ist<br \/>\n\tdie Welt, der Job, der Alltag dran, jetzt bist es DU. Deshalb k\u00f6nnen und<br \/>\n\td\u00fcrfen Wellness-Behandlungen auch teuer sein. Der Mensch belohnt sich<br \/>\n\tdamit selbst. Dahinter steckt aber auch das Dilemma, mit dem \u201eWellness<br \/>\n\tas usual\u201c sehr gekonnt spielt: Der postmoderne Mensch will sich mit sich<br \/>\n\tselbst besch\u00e4ftigen, sich selbst ergr\u00fcnden, hat aber gleichzeitig Angst<br \/>\n\tvor dem, was er dort finden k\u00f6nnte. Deshalb hat er st\u00e4ndig das Handy,<br \/>\n\tdas Tablet oder ein anderes Device in der Hand. Die Stille, das<br \/>\n\tNichtstun wird Feindbild. Wenn ich Unbehagen mit mir selbst versp\u00fcre,<br \/>\n\tkann ich die totale Individualit\u00e4t nur simulieren \u2013 die eigentliche<br \/>\n\tSelbstbesch\u00e4ftigung wird als erschreckend empfunden, weil man dabei<br \/>\n\tDinge \u00fcber sich lernen k\u00f6nnte, die man gar nicht lernen will.\n\t<\/p>\n<p>\n\tmonochrom konfrontiert die Menschen damit gleich mit zwei Dingen, die<br \/>\n\tsie sonst eher selten erleben: mit absoluter Dunkelheit und sich<br \/>\n\tselbst. Zur Sicherheit sitzt immer jemand von monochrom mit im Raum, der<br \/>\n\tauf ein vorher vereinbartes Sicherheitswort hin einschreitet. Bisher<br \/>\n\twar dieser \u201ePsycho-Bademeister\u201c aber unn\u00f6tig. \u201eWellness as usual\u201c l\u00e4uft<br \/>\n\tbereits seit dem letzten Wochenende. Und nach ein paar Tagen kann man<br \/>\n\tsagen: Jeder erlebt die Aktion sehr individuell, aber durchweg sehr<br \/>\n\tpositiv. Das erz\u00e4hlt G\u00fcnther Friesinger von monochrom. Manche sehen<br \/>\n\tFormen, Landschaften, Tiere vor sich. Viele bedanken sich im Nachhinein<br \/>\n\tf\u00fcr die ungew\u00f6hnliche Erfahrung. Eine Erfahrung, die man diese Woche<br \/>\n\tnicht verpassen sollte.\n\t<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><em>\u201eWellness as usual\u201c von monochrom l\u00e4uft im Rahmen des \u201eMQ Summer<br \/>\nof Sounds\u201c noch bis Sonntag, 20.7., im Raum D\/quartier 21. Jeden Tag um<br \/>\n19 Uhr. Der Eintritt ist frei.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mqw.at\/blog\/die-wellness-situation\/\">Link<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Krisen und Niederlagen k\u00f6nnen Chancen werden. Das wissen nicht zuletzt die Chinesen, die \u00fcbrigens trotzdem nicht dasselbe Wort f\u00fcr Krise und Chance benutzen. Und das wei\u00df auch die Kunst- und Performance-Gruppe monochrom. Einer ihrer Mitglieder f\u00fchrt im deutschen Bamberg einen Plattenladen. 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